Industrie und Kultur im Ruhrgebiet

Ein Bericht von Helmut Kober mit Fotos von Erich Schlotterbeck

Ohne Rast von Rost zu Rost                                                        

So oder ähnlich könnte man unseren Ende Mai veranstalteten viertägigen Fotoworkshop im Ruhrgebiet überschreiben. Die fotografischen Schwerpunkte bildeten einige der vielen Zechen im Ruhrgebiet. Insbesondere die ehemaligen, die stillgelegten erregten unser Interesse, so zum Beispiel die Henrichshütte in Hattingen oder das UNESCO Welterbe Zollverein in Essen und der Landschaftspark Duisburg-Nord, kurz Lapadu genannt.

Unser Organisator und Workshopleiter hatte für die zwölf Fotografinnen und Fotografen ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt. Als Stützpunkt hatten wir das Hotel Bredeney in Essen ausgesucht, so dass wir in max. 30 Minuten unsere Fotolocations erreichen konnten. Den Auftakt machten wir in der Villa Hügel. In der ehemaligen Villa der Kruppfamilie gab es trotz geschlossenem Haupthaus im Park und Nebengebäude genügend Fotomotive für uns.

Am frühen Abend nach einem ausgiebigen Abendessen ging es auch schon los nach Duisburg zu Tiger & Turtle – Magic Mountain, eine begehbare Achterbahn-Skulptur. Die weithin sichtbare Landmarke wurde auf einer ehemaligen Abraumhalde im Duisburger Süden errichtet. Unsere Aufgabe war, die Skulptur mit mehr als 800 LEDs beleuchtet, bei Dunkelheit zu fotografieren. Besonders beeindruckend war von dort oben den Hochofenabstich vom nahegelegenen Stahlwerk zu fotografieren, glutrot war dann für zehn Minuten der Nachthimmel beleuchtet.

Nach einem Absacker in der Hotelbar und einer kurzen Nacht waren wir am nächsten Morgen auf dem Weg nach Essen zur Zeche Zollverein, eine Fotografenführung durch die Kokerei stand auf dem Programm. In zwei Gruppen führten uns die sachkundigen Führer drei Stunden lang durch die weit verzweigten Anlagen der ehemaligen Kokerei. Die Gruppeneinteilung wurde an der Kameratechnik ausgerichtet. Die „Spiegellosen“ und die mit „Klappspiegel“ bildeten jeweils eine Gruppe. Zwischen dicken Eisenrohren und überdimensionalen Stahlträgern kämpften wir uns immer auf der Jagd nach neuen Motiven durch die Anlage. Hier konnte man lebhaft nachvollziehen, wie körperlich anstrengend und mit welcher Maloche die Arbeiter ihre Schicht verbrachten. Heute ist alles Museum und Zug um Zug hält die Natur wieder Einzug. Am Ende der Führung war eine Stärkung im Kokerei-Restaurant zwingend notwendig.

Den Abend verbrachten wir mal ohne Fotoapparat in Mühlheim im Restaurant „Franky´s Wasserbahnhof“ an der Alten Schleuse. Am darauf folgenden Samstag waren noch mal alle Kräfte gefordert. Schon früh fuhren wir nach Hattingen zur dortigen Henrichshütte. Von der einstigen Zeche mit mehr als 10.000 Beschäftigten ist etwa ein Fünftel übrig geblieben. Mehr als groß genug für uns Fotografen. Der Hochofen mit ca. 50 Meter Höhe wurde von allen erklommen und das bei sommerlichen Temperaturen, der Schweiß floss in Strömen und die Speicherkarten der Kameras füllten sich zusehends mit den vielen Fotomotiven. Nach guten zwei Stunden „Rost- und Eisenfotografie“ verließen wir das Gelände und bummelten durch die Stadt Hattingen. In der Altstadt waren noch viele Fachwerkgebäude erhalten, ebenso Reste der ehemaligen Stadtbefestigung. Eine Reise in die Vergangenheit und das im Ruhrgebiet zwischen Wäldern und Hügeln.

Nach einer ausgiebigen Ruhepause im Hotel hieß die nächste fotografische Herausforderung „Lapadu“ in Duisburg und zwar bei Nacht. Es kündigte sich ein langer Abend an, denn die Sonne ging ja erst gegen 21.30 Uhr unter. Zunächst streiften wir bei Tageslicht durch das weitläufige Gelände um die „Besten Locations“ ausfindig zu machen. Dabei halfen uns Christian und Bernd, die ortskundigen Unterstützer vor Ort. Der Landschaftspark Duisburg-Nord entstand im ehemaligen Meidericher Hüttenwerk. Die rostigen Reste des Betriebes werden an jedem Wochenende bunt beleuchtet, also ein Mekka für Fotografen. Natürlich gab es auch da einen Hochofen, von dort konnte man wunderbar den romantischen Sonnenuntergang mit und ohne Kamera festhalten. Es war ein wunderbarer, langer und anstrengender Abend. Gegen halb zwölf traten wir die Rückfahrt nach Essen an. Bei einem guten Glas Bier wurden dann die letzten Fachgespräche geführt und wiederum stand allen eine kurze Nacht bevor.

Es war Sonntagfrüh, der Tag unserer Abreise. In Frankfurt legten wir im Bankenviertel noch einen fotografischen Stopp ein, es war Friedemanns Wunsch nach so viel Rost und „Altem Eisen“ auch mal was Modernes zu fotografieren.

Glücklich und zufrieden kamen wir gegen Nachmittag wieder daheim an. Doch die Arbeit hörte nicht auf, so mussten doch bei allen aus ca. 700 Fotos die guten ausgesucht werden.